Angedacht im April

„Das ist doch ein Scherz?!“ Auch wenn es zur Zeit Jesu keinen Aprilscherz gab, könnte das Thomas' erster Gedanke gewesen sein. Die anderen Jünger behaupten, Jesus gesehen zu haben – drei Tage nach seinem Tod. Unglaublich. Seine Zweifel sind verständlich. Doch niemand ruft „April, April!“. Als Thomas Jesus begegnet, reichen ihm der Anblick und Jesu Worte für sein Bekenntnis: „Mein Herr und mein Gott.“

Der #monatsspruch für April setzt genau hier an: „Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,29).

 

Was heißt das in einem Monat, in dem wir zwar Ostern feiern, aber um uns herum eher Untergang als Auferstehung wahrnehmen? Ob Thomas Jesus wirklich berührt hat, bleibt bei Johannes offen. Das Bild aus einer Biblia Pauperum des 15. Jahrhunderts zeigt ihn jedoch mit dem Finger in Jesu Seite. Solche „Bibeln für (geistlich) Arme“ waren bildhafte Lehrbücher: In der Mitte eine Szene aus Jesu Leben, umgeben von alttestamentlichen Bezügen. Hier wird der zweifelnde Thomas mit Gideon verbunden, der seine Berufung kaum glauben kann (Richter 6), und mit Jakob, der am Jabbok mit Gott ringt (Genesis 32).

 

Zweifel sind keine Abkehr vom Glauben. Sie gehören zu uns, besonders wenn uns etwas Größeres begegnet. Thomas’ Zweifel machen die Ostergeschichte im wahrsten Sinne des Wortes greifbar. Auch in einer sorgenvollen Welt: Das Leben hat das letzte Wort – und dieses Wort sucht uns. Dazu braucht es kein Fingern in Wunden, sondern kleine Handgriffe des Vertrauens: eine Nachricht an einen einsamen Menschen, ein mutiger Schritt auf jemanden zu, ein Gebet für diese Welt.

Mit freundlicher Genehmigung: Stephan Zeipelt / Werkstatt Bibel - oikos Institut

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