Zukunftskonferenz in der Lukaskirche Die Kirchengemeinde von morgen gestalten: Zukunftskonferenz der Philippus-Gemeinde trotzt Stromausfall

„Wie sieht die Kirchengemeinde von morgen aus? Welche Gebäude sind wichtig für Ennigloh, Holsen-Ahle und Muckum?“ Mit diesen zentralen und zukunftsweisenden Fragen lud das Presbyterium am Samstag, den 27. Juni 2026, zu einer großen Zukunftskonferenz in die Lukaskirche Holsen-Ahle ein. Dass man sich dabei schneller als gedacht ganz  praktisch mit einer „Zukunft ohne Energie“ beschäftigen musste, ahnte morgens um 7:00 Uhr noch niemand.

Ausgerechnet zum lang ersehnten Auftakt der Konferenz streikte die moderne Technik: Ein großflächiger Stromausfall legte mehrere Straßenzüge in Holsen-Ahle lahm. In der Lukaskirche bedeutete das: kein Licht, keine Mikrofone, keine Präsentationsbildschirme und - für viele der morgendliche Super-GAU - auch kein frisch gebrühter Kaffee.

Doch was nach einem organisatorischen Albtraum klingt, entpuppte sich als echter Eisbrecher. Der leicht chaotische, aber absolut charmante Start schweißte die Teilnehmenden sofort zusammen. Man rückte im wahrsten Sinne des Wortes näher aneinander. Das Organisationsteam und die Störungsstelle reagierten geistesgegenwärtig und hochprofessionell: Nach rund 45 Minuten floss der Strom wieder, das Licht leuchtete auf, die Mikrofone surrten und die Akustik war gerettet. Ab diesem Moment war jeder im Raum bis in die hinterste Reihe bestens zu verstehen.

Als die Konferenz so richtig Fahrt aufnahm, setzte Pfarrer Matthias Rohlfing, der den Tag als Moderator begleitete, ein starkes visuelles Zeichen. Er bat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sich im Raum so aufzustellen, dass sichtbar wurde, für welches Gebäude ihr Herz am meisten schlägt. Schnell zeigte sich ein ungleiches Bild: Eine Seite des Raumes war deutlich dichter besetzt als die andere.

Pfarrer Rohlfing kommentierte diesen Moment mit einem treffenden Bild: Innerhalb der gesamten Philippus-Gemeinde müsse die „Platte wie eine Waage ausgeglichen sein“. Es gelte, alle Bereiche, Bezirke und Gebäude - von der Lukaskirche über das Gemeindehaus in Holsen-Ahle bis hin zur Kreuzkirche mit dem Gemeindezentrum, dem Eichenkreuzheim und die Adventskapelle - gleichermaßen im Blick zu behalten. Auch wenn eine Gruppe oder ein Ortsteil an diesem Tag optisch weniger stark vertreten war, dürfe kein Bereich aus dem Fokus geraten. Das Zusammenwachsen der Gemeinde stand als unsichtbare, aber kraftvolle Überschrift über dem Tag: Man begegnete sich wohlwollend auf Augenhöhe, denn im Zentrum stand das gemeinsame Bewusstsein: „Wir sind Philippus“ - die Herkunft aus einem bestimmten Ortsteil war in diesem Moment Nebensache.

Gepuffert wurden die Arbeitsphasen durch ein hervorragend vorbereitetes und reichhaltiges „zweites Frühstück“. Auf einer langen Tafel warteten liebevoll angerichtete Platten mit frischen, bunt garnierten Brötchen, Aufschnitt, Obstplatten voller saftiger Wassermelonen und Weintrauben sowie süßen Leckereien. Sobald der Strom zurück war, liefen auch die Kaffeemaschinen auf Hochtouren. Diese kulinarische Stärkung sorgte nicht nur für gefüllte Mägen, sondern auch für eine spürbar lockere, familiäre Atmosphäre und beste Stimmung.

Bevor es an die konkrete Arbeit ging, formulierte Matthias Rohlfing im Namen des Presbyteriums eine fundamentale Prämisse, die den Teilnehmenden viel Raum zum Atmen gab: „Wir schauen nicht zuerst auf die Finanzen, sondern darauf, was wir für ein Angebot und was für ein kirchliches Leben in unserer Philippus-Kirchengemeinde haben wollen.“Erst wenn die inhaltliche Vision steht, folgt der Blick auf die Strukturen.

Um einen möglichst breiten und vorurteilsfreien Austausch zu ermöglichen, legten die Organisatoren großen Wert auf eine bewusste Durchmischung der Arbeitsgruppen -  sowohl altersmäßig als auch quer durch die verschiedenen Gemeindeteile. An insgesamt fünf verschiedenen Stationen ging es immer wieder in die intensive Gruppenarbeit.

Die drei „überlebenswichtigen“ Säulen der Zukunft

Ein zentraler Auftrag an die Gruppen lautete: „Welche drei Aktivitäten oder Angebote sind für unsere Gemeinde in Zukunft überlebenswichtig?“. Die Ergebnisse der Diskussionen wurden im Anschluss auf Moderationskarten festgehalten und an einer großen Stellwand für alle sichtbar zu Clustern zusammengefügt. Drei klare, große Säulen kristallisierten sich dabei heraus, die durch konkrete Wünsche der Gemeinde untermauert wurden:

  1. Gottesdienst (Das spirituelle Fundament): Die Gemeinde wünscht sich hier eine spürbare Vielfalt. Neben klassischen „Gottesdiensten in vielen Formen“ und einer lebendigen „Verkündigung für Groß & Klein“ wurden explizit eine „lebendige missionarische Gottesdienstkultur“ sowie „erfrischende Gottesdienstformate“ gefordert. Auch die administrative und inhaltliche „Gottesdienst-Ausgestaltung“ stand im Fokus.

  2. Kinder + Jugend (Die nächste Generation): Dieses Cluster zeigte eine starke Sehnsucht nach aktiver Gemeinschaft. Neben der klassischen „CVJM-Arbeit für Jugend und Kinder“ und Angeboten wie der „Jungschar“ wurde die Notwendigkeit von gezielten „Kinder- und Jugendtreffs mit Verkündigung“ sowie herzlichen „Einladungen zu Kinderveranstaltungen über die örtlichen Gegebenheiten hinaus“ hervorgehoben. Ein Kärtchen brachte es auf den Punkt:

  3. Es braucht eine verlässliche „Kinder- und Jugendarbeit - evtl. mit Unterstützung der Stadt Bünde“.

  4. Offene Treffen (Räume für Begegnung): Die Sehnsucht nach Gemeinschaft geht weit über die klassischen Gottesdienstzeiten hinaus. Gefordert wurden „Seniorentreffs“, allgemeine „Angebote für Gemeinschaft/Gemeindehaus“, regelmäßige „Gemeindetreffs mit Ortsteilbezug“ sowie „Gruppenarbeit für Senioren, Kinder, Jugendliche und Musik“ (wie z. B. die Förderung von Musikveranstaltungen). Besonders wichtig war den Teilnehmenden zudem, „Angebote zu teilen - für alle Altersgruppen“ (gerade für die oft unterrepräsentierten 30- bis 40-Jährigen sowie die Generation 50+) und „sich in der Öffentlichkeit zu zeigen“ (beispielsweise durch den Posaunenchor oder eine lebendige Besuchsdienst-Arbeit).

In den Runden wurde auch angeregt, intensiver zu erforschen, warum manche Menschen den Weg zur Kirche schwerer zurückfinden und welche Zielgruppen (wie etwa Familien mit spezifischen Lebensfragen) mehr kirchliches Engagement benötigen. Auch die engere Vernetzung mit lokalen Kooperationspartnern und die Verschmelzung von öffentlichem und kirchlichem Leben wurden als große Chance gesehen.

In einer weiteren Arbeitsphase rückten schließlich die Gebäude selbst und die damit verbundenen existentiellen Fragen des Wandels in den Fokus. Auf einem separaten Flipchart wurden die drei harten Prüfkriterien festgehalten, an denen sich jedes Gebäude in Zukunft messen lassen muss:

  • Funktional: Erfüllt das Gebäude seinen Zweck (Räume teilbar, Barrierefreiheit, Küche etc.)?

  • Finanziell / Technisch: Wie steht es um die Bausubstanz, die Auslastung und die laufenden Energiekosten?

  • Emotional / Strategisch: Welche Bedeutung hat der Standort für die Identität und das Zusammenwachsen der Menschen vor Ort?

Die Diskussionen in den Gruppen zeigten großen Mut zur Wahrheit: Wie wird sich Philippus verändern, wenn wir in Zukunft mit weniger Gebäuden auskommen müssen? Leidet darunter zwangsläufig die inhaltliche Arbeit oder ist das nur eine Befürchtung? Die einhellige Meinung ging dahin, dass Kirche sich verändern darf und vielleicht viel öfter auch außerhalb der traditionellen Kirchenmauern stattfinden muss.

Die Zukunftskonferenz in Holsen-Ahle hat bewiesen: Weder ein Stromausfall noch komplexe Strukturfragen können die Philippus-Kirchengemeinde bremsen, wenn sie sich mit viel Mut, Offenheit und im engen Dialog miteinander auf den Weg macht. Die prall gefüllte Stellwand und die dokumentierten Ergebnisse bilden nun das solide Fundament, auf dem das Presbyterium die nächsten strategischen Schritte für die Gemeinde von morgen aufbauen kann.

Steffi Rieke

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